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Posts tagged: Superman

Die neuen Zweiundfünfzig

DC Comics – das Zuhause von so prominenten Superhelden wie Superman, Batman und Wonder Woman – hat vor einigen Wochen einen radikalen Wandel für den kommenden September angekündigt. Sämtliche Comic-Reihen werden gleichzeitig eingestellt, um Platz für 52 neue Titel zu machen. Manche Serien werden eingestellt, manche neu erschaffen und manche starten erneut bei Ausgabe 1. Gleichzeitig werden sämtliche 52 Ausgaben am selben Tag im Händlerregal und in digitaler Form kaufbar sein. Dieser Neuanfang für das gesamte DC Universum ist mutig und spannend. Warum es mich nun an dieser Stelle hier interessiert? Weil ich seit einigen Wochen wieder einen Einstieg in die Comic-Welt gefunden habe und sehr interessiert einige DC-Klassiker aufhole. Aus dem gelegentlichen Interesse an Comics ist ein Sprung ins kalte Wasser geworden, sodass der Neuanfang in mancher Hinsicht perfekt für jemanden wie mich geschaffen scheint. Doch der Schein trügt.

Der Neuanfang

Comic-Fans scheinen eine ganz spezielle Sorte Nerd zu sein. Jede noch so kleine Veränderung oder Abweichung vom Zauberwort “Continuity” ist grundsätzlich der Untergang des Abendlandes. Und so lesen sich auch manche Reaktionen auf die Relaunch-Initiative. Zugegeben, ich betrachte das Treiben noch immer mit einem gehörigen Abstand von Außen und habe keine jahrelange Bindung an die Geschichten und Charaktere. Mein Blick richtet sich in der Hauptsache auch eher auf die Superman-Reihen, ganz einfach weil mein Herz am stärksten für den Last Son of Krypton schlägt.

Trotzdem, vielleicht auch gerade deswegen, verstehe ich die große Aufregung nicht so ganz. Besonders Superman scheint mir ein großes Problemkind des Comic-Hauses zu sein. Ich habe meine Nase noch nicht tief genug in die aktuellen Geschichten gesteckt, aber es juckt mich auch nicht besonders stark in den Fingern zu wissen, wie er beispielsweise quer durch Amerika läuft. Die Figur scheint uninteressant für die Masse zu sein und unfähig spannende Konflikte zu liefern, was sich in meinen Augen auch in dem zuletzt eher mittelmäßigen Film-Versuch zeigt. Natürlich ist es schwer einen nahezu unzerstörbaren und moralisch herausragenden Supermenschen identifizierbar und interessant zu machen. Deshalb bin ich grundsätzlich gespannt, was der Relaunch mit Superman machen wird. Bisher ist die Rede von Geschichten über die Anfangstage in Metropolis in Jeans und Cape und die Hochzeit zwischen Lois und Clark hat außerdem niemals stattgefunden. Prinzipiell eine Menge Potential in alle Richtungen, aber ich bleibe trotzdem vorsichtig optimistisch. Eigentlich ist das in meinen Augen auch eine der großen Stärken der Comic-Welt, dass sie schon so viele Jahrzehnte kontinuierlich Geschichten erzählt und stets die Charaktere pflegt. Es ist Fluch und Segen zugleich, ständig neue und interessante Ansätzen liefern zu müssen. Vergleicht man nur einmal Superman aus Action Comics #1 mit der heutigen Inkarnation, dann verwundert die Angst vor Veränderungen umso mehr. Natürlich muss die Figur im Kern stets die selbe bleiben, aber vielleicht ist die Zeit nach 25 Jahren wieder gekommen, die Figur um ihren Kern herum neu zu definieren?

Digital ist besser

Ich bin ein bisschen verwundert, dass die Nachricht über den digitalen Vertrieb bisher so wenig Beachtung findet. Vielleicht liegt es daran, dass die Umstellung in diesem Punkt eher marginal ist, vielleicht interessieren sich die Comic-Fans auch zu wenig für diese Vertriebs-Form. Bisher werden schon fleißig digitale Comics in App-Form auf iOS und Android verkauft, die einzige Neuerung ist die Erscheinungsweise neuer Titel, die bisher nur schleppend Einzug ins digitale Format finden. Konkrete Aussagen zum digitalen Vertrieb (Preise, Erscheinungsformen etc.) sind mir leider noch nicht bekannt, man kann aber schon davon ausgehen, dass sich nicht viel zum Status Quo verändern wird.

Bisher werden die Comics in den Comixology-Apps zu Preisen zwischen 0,79€ und 2,39€ für “normale” Heft-Ausgaben verkauft und sind besonders durch die Guided-Tour-Technologie in meinen Augen sehr gut lesbar auf dem kleinen iPhone-Display. Leider habe ich keine Erfahrungen mit den Apps auf dem iPad zwecks mangelnder Hardware. Prinzipiell funktioniert das Konzept aber auf dem Smartphone, ein gutes dutzend Ausgaben habe ich bisher auf dem Gerät gekauft und auch recht gern gelesen.

Trotzdem wurde das schlechte Gewissen irgendwann zu groß und wenn sich nichts an der Politik der Verkäufe verändert, dann werde ich weiterhin ausschließlich auf Print-Ausgaben in Paperback-Form setzen, und zwar aus einem einfachen Grund: DRM! Es ist mir ein Rätsel, warum (bisher zumindest) alle Fehler der vergangenen Jahre auch hier wiederholt werden. Der Kauf der einzelnen Ausgaben ist nämlich kein Kauf der Ausgabe, sondern nichts anderes als der Erwerb eines Nutzungsrechts! In den Apps werden zwar einzelne Dateien heruntergeladen, diese lassen sich aber nicht auf den Rechner übertragen. Ohne die App sind diese also völlig nutzlos, auf dem Rechner soll eine Web-App in Flash-Seuche Linderung bieten. Warum man also Comixology nun mit Geld bewerfen sollte, dass aber bei Schließung des Services völlig wertlos wird, ist mir rätselhaft. Aus dem gleichen Grund kaufe ich auch keine Filme im iTunes-Store.

Wenn mir dort kein allgemeiner Standard zur Verfügung gestellt wird, der auch mit anderer Hard- und Software zumindest einigermaßen zukunftssicher ausgerüstet ist, warum sollte ich dann dafür bezahlen? Warum gibt es keine PDFs, die ich auch in anderen Programmen auf anderen Systemen nutzen kann? So sehr ich mittlerweile auf den digitalen Vertrieb bei Musik setze, so wenig sinnvoll erscheint er mir bisher bei allen anderen Medienformen, ganz besonders bei Comixology. Meine 12 Ausgaben Superman/Batman werde ich vermutlich niemals lokal auf meinem Rechner liegen haben, sodass sie bei einem möglichen Untergang von Comixology gleich mitgehen werden. Meine Paperbacks nehmen zwar Platz im Regal weg, solange mir aber die Bude nicht abfackelt werde ich sie aber auch noch in zehn Jahren lesen können. Natürlich besteht auch noch die Möglichkeit, dass sich DC der Problematik bewusst ist und mit dem Relaunch eine Lösung anbietet. Bei der allgemeinen Piracy-Panik in den Führungsebenen der Unterhaltungs-Industrie sehe ich die Chancen aber gering an. Die Enttäuschung von Yahoo Music- und MSN Music-Kunden scheint wohl schnell vergessen.

Die Hintergründe

Verzweifelt, mutig, alternativlos. Egal wie man zu der Entscheidung steht, der anstehende Relaunch ist für DC ein großes Ding. Die Verkaufszahlen sind in der gesamten Industrie wenig berauschend, das große Geld scheint schon länger mit der weiteren Vermarktung der Marken gemacht zu werden. Leser springen ab und nur wenig neue kommen hinzu. Die Einstiegshürde scheint für viele einfach zu hoch, aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass vor der eigentlichen Comic-Lektüre erst einmal die möglichen Einstiegspunkte und Eckpfeiler recherchiert werden wollen.

Hinzu kommt die Erwartungshaltung einer heranwachsenden Generation, für die es niemals einen digitalen Wandel, sondern geschaffene Tatsachen gab. Das komplette Programm dabei von Grund auf neu zu gestalten, als gesamtes Unternehmen an einem Strang ziehen zu wollen und sich auf die Zukunft zu konzentrieren ist riskant und mutig. Welche inhaltlichen Ergebnisse dabei geschaffen werden, bleiben bis zum September und vermutlich auch darüber hinaus spannend. Wie bereits erwähnt freue ich mich mit einer gewissen Vorsicht drauf und werde garantiert ein paar der Erstausgaben in digitaler Form ausprobieren, um dann aber weiterhin auf gesammelte Werke in Papierform zu setzen. Die neuen Kostüme sind aber trotzdem doof…